Laptop mit Utensilien von Dustin Lee

In jedem meiner Schreib-Workshops wird mir diese Frage mindestens einmal gestellt: Braucht man eigentlich viel Talent, um ein erfolgreicher Autor (Journalist oder Blogger) zu werden?

Es kann jedenfalls nicht schaden, denke ich dann immer.  Laut aber sage ich: „Nö, eigentlich nicht.“  Und das meine ich auch tatsächlich so.

Natürlich ist es von Vorteil, wenn man ein (angeborenes?) Gefühl für Sprache besitzt. Wenn man intuitiv die richtigen Wörter findet, den Wechsel von kurzen und langen Sätzen beherrscht, die Melodie eines Satzes erkennt.

Aber wurde einem dieses Talent wirklich in die Wiege gelegt? Oder hat man vielleicht schon als kleines Kind an den Lippen der Großeltern gehangen, die aus dem Märchenbuch vorgelesen haben?  Und hat man, sobald man selbst lesen konnte, ein Kinderbuch nach dem anderen verschlungen und so schon früh gelernt, wie gute Sätze klingen?

Ich persönlich denke, dass es eher die zweite Version ist, die einen Menschen dazu bringt, besser zu schreiben als andere. Die Übung macht’s.

Das Geheimnis der Genies

Viele Menschen sind heute davon überzeugt, dass so genannte Genies wie Einstein, Picasso, Mozart, Michelangelo nicht deshalb so brillant waren, weil sie ein angeborenes Talent besaßen, sondern weil sie so von „ihrer“ Sache überzeugt waren, dass sie an nichts anderes mehr dachten. Sie hatten ihre Leidenschaft gefunden und verbrachten täglich viele Stunden, schließlich Wochen, Monate und Jahre damit, ihre Kunst immer mehr zu verfeinern. Für sie gab es nichts Wichtigeres auf der Welt, als ihre Musik, ihre Formeln, ihre Malerei. Wer sich so auf eine Sache konzentriert und absolut fokussiert daran arbeitet, in seinem Metier immer besser und besser zu werden, kann gar nicht scheitern. Sicher wird es hin und wieder Rückschläge geben. Aber letztendlich hast du es selbst in der Hand, ob du zum Meister wirst.

Täglich üben!

Wer ein guter Schreiber werden will, sollte also täglich üben? – Genau!

Ich hatte Glück, dass ich viele Techniken, das Handwerkszeugs eines Journalisten, während meiner Ausbildung zur Redakteurin gelernt habe. Allerdings habe ich nie studiert und leider auch nie einen creative writing-Kurs besucht, wie sie in den USA angeboten werden. Schriftsteller scheinen es dort etwas einfacher zu haben, was die Fortbildung betrifft…

Das heißt aber nicht, dass man sich nicht überall auf der Welt selbst weiterbilden kann, was gutes Schreiben betrifft. Es gibt hervorragende Schreibratgeber, die jede Menge Tipps für angehende Autoren bereit halten.

Täglich 20 Minuten Lernen

Ich selbst reserviere täglich mindestens 20 Minuten ins Lernen. Ich lese Schreibratgeber, Bücher von berühmten Autoren übers Schreiben, Blogs usw. obwohl ich schon seit über 20 Jahren erfolgreich als Journalistin und Buchautorin arbeite. Aber was soll’s? Schließlich lernt man nie aus. Wer sich nicht mehr bemüht, besser zu werden, bleibt zuerst in seiner Entwicklung stehen – und fällt dann zurück. Wer will das schon?

Darüber hinaus macht Lernen (jedenfalls jenseits der Schule) auch noch Spaß. Und ich garantiere dir: Man wird es deinen Texten ansehen, wenn du dich weiterbildest, neue Erkenntnisse gewinnst und sie beim Schreiben anwendest.

Gute Bücher analysieren

Übrigens: Als Schreiber wirst du bestimmt auch ein begeisterter Leser sein.

Welches ist dein Lieblingsbuch?

Welcher Autor hat es geschafft, dich so zu fesseln, dass du alles um dich herum vergessen hast und nicht aufhören konntest zu lesen, bis du die letzte Seite geschafft hattest? – Geh ans Regal, hole genau dieses Buch heraus und lies es nochmal. Lies es diesmal langsam. Denke darüber nach, wie der Autor es geschafft hat, eine solche Spannung zu erzeugen. Mach dir Notizen zu seinen Techniken. Und dann versuche, diese Techniken in deinen eigenen Texten anzuwenden. Das hat nichts mit Abschreiben zu tun. Denk dran, es geht darum, den Leser bei der Stange zu halten und nicht zu langweilen. Dieses Ziel haben Schriftsteller, Journalisten und Blogger gleichermaßen. Welches Handwerkszeug dafür nützlich ist, verrate ich in einem meiner nächsten Beiträge.

Bis dahin: Viel Spaß beim Schreiben!

 

Foto: Dustin Lee, https://unsplash.com/@dustinlee