Snaefellnes Landschaft

Snaefellsnes. Snaefellsjökull. Ich habe Schwierigkeiten mit diesen unaussprechlichen, isländischen Namen. Aber dieses winzige Problem ist inzwischen bedeutungslos geworden. Denn wenn ich jetzt den Namen Snaefellsnes höre, steigen in mir die Bilder einer zerklüfteten Küste im Atlantik auf. Ich höre, wie die Möwen schreien und die Brandung gegen die Felsen klatscht. Ich erinnere mich, dass ich nie eine klarere Luft geatmete habe, als in jenem Sommer auf Island.

Welt aus Licht und Lava

Man sagt, dass  Snaefellsnes so etwas wie Island en minature ist, und vielleicht haben die Leute recht. Die Halbinsel im Westen des Landes besitzt von allem etwas: eine wilde Küste, grüne Berge, Islandpferde, Seevögel und sogar einen Vulkan. Ich war mit dem Schiff nach Snaefellsnes gekommen. Der Hafen heißt Stykkishólmur und liegt im Norden der Halbinsel. Übersetzt bedeutet Snaellfellsness so viel wie Schneeberghalbinsel. Der Name wundert mich inzwischen kein bisschen mehr. Selbst im Juni lag noch reichlich Schnee rechts und links der schmalen Straßen, die sich durch eine menschenleere Gegend schlängelten.  Manchmal hatte man das Gefühl, sie schienen nirgendwo hinzuführen. Doch in Wirklichkeit brachten sie mich in eine märchenhafte Welt aus Licht und Lava, aus allen Schattierungen von Grün.

Küste Island

Die Insel der Papageientaucher

Stykkishólmur hat um die tausend Einwohner. Für isländische Verhältnisse zählt er schon als einer der größeren Orte außerhalb von Reykjavik. Es gibt ein Vulkanmuseum, eine Wasserbibliothek und einen bunten Leuchtturm, der eine weite Sicht über das Meer bietet. Boote fahren hinüber zur Insel Flatey, auf der sich Tausende von Seevögeln beobachten lassen – darunter natürlich auch die berühmten Papageientaucher.

Einer meiner Ausflüge führte mich ganz zum westlichen Ende von Snaefellsnes. Dort liegt der  Vulkan Snæfellsjökull. Oft verhüllen Wolken seine Kuppe, doch ich hatte Glück. Die schneebedeckte Spitze leuchtete vor einem tiefblauen Himmel, und ich konnte kaum die Augen von seinem Anblick abwenden. Vielleicht lag es an den Geschichten, die meine Führerin mir zuvor über den Vulkan erzählt hatte. Vielleicht aber auch nicht… Fakt ist, dass der Snæfellsjökull eine geradezu magische Anziehungskraft auf mich ausübte. Doch ich schien nicht die Einzige zu sein, der es so erging.

Snaefellsjökull

Der geheimnisvolle Vulkan

Schon seit dem Mittelalter umgibt den 1446 Meter hohen Berg ein Nimbus von Geheimnis und Gefahr. Der 700.000 Jahre alte Vulkan brach seit der Eiszeit 30 bis 40 Mal aus – meistens explosiv. Die Asche des letzten Ausbruchs vor 1800 Jahren ist jetzt noch über ganz West-Island verstreut. Die Eiskappe des Snæfellsjökull leuchtet sogar bis nach Reykjavík herüber. Das ist aber nicht der Grund, warum der Snæfellsjökull als der berühmteste Berg der Insel gilt. Diesen Ruhm hat er dem französischen Autor Jules Verne zu verdanken. In seinem Roman „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ legte Verne den Einstieg in die Unterwelt im Krater des Snæfellsjökull an.

Rund um den Vulkan stößt man an vielen Orten auf die Spuren der Sagenfigur Bárður Snæfellsás. Esoteriker glauben, dass der Vulkan besondere Energiefelder besitzt. Angeblich seien schon Ufos in der Nähe gelandet. Dass mit den Aliens halte ich für ein Gerücht. Die Geschichte mit den Elfen gefällt mir da weitaus besser.

Die Sache mit den Elfen

Meine Führerin erzählte gerne von ihnen. Natürlich kannte sie die einschlägigen Sagen und Legenden. Gut 80 Prozent aller Erzählungen auf Island haben mit dem „Verborgenen Volk” zu tun, den Elfen. Sie sehen aus wie Menschen, haben Berufe wie Menschen, sind aber nur selten sichtbar. Manchmal werden sogar noch heute Straßenbaupläne geändert, um die Elfen nicht zu stören.

Zuerst hatte ich vermutet, dass meine isländische Expertin es faustdick hinter den Ohren und es außerdem darauf angelegt hatte, mich hinters Licht zu führen. Während ihrer Erzählungen lächelte ich freundlich und zwinkerte ihr hin und wieder zu, um ihr unmissverständlich zu verstehen zu geben, dass ich nun wirklich nicht auf den Kopf gefallen war. Das machte ihr nichts aus. Freimütig gab sie eine persönliche Story nach der anderen zum Besten, die davon handelten, wie sie sich Rat bei den Elfen geholt hatte.

Langsam kippte mein Widerstand. Bald schüttelte nur noch staunend den Kopf darüber, welche Tipps sie von ihren Leuten aus dem verborgenen Volk bekommen hatte. Unfassbar! Zufrieden entließ sie mich schließlich in die Natur ihrer Heimat. Und was soll ich sagen? – Auf der mystischen Halbinsel Snaefellsnes glauben die Menschen fest daran, dass die Felsen und Berge seit Menschengedenken beseelt sind. Wer genug Fantasie besitzt, kann hier auf Schritt und Tritt den Geistern und Wiedergängern aus den isländischen Legenden begegnen. Und ich habe Fantasie!                                              Susan de Winter

Infos:

Island gilt heute als größtes aktives Vulkangebiet der Erde. Mehr als 200 Feuerberge soll es auf der Insel am Polarkreis geben. Im Schnitt zählen die Wissenschaftler alle fünf Jahre einen Ausbruch.

Von Deutschland aus gibt es ganzjährig Nonstop-Flüge nach Island. Die Flugzeit beträgt rund dreieinhalb Stunden. Wer sein Auto mitnehmen möchte, kann zwischen April und Oktober von Dänemark aus mit der Fähre „Norröna“ (www.smyrilline.de) nach Island fahren. Die beste Reisezeit ist von Juni bis Ende August. Auch im Sommer sollte man warme Kleidung dabei haben. Die Währung auf Island ist die isländische Króna“. Es kann aber wirklich überall mit Kreditkarte bezahlt werden, selbst bei kleinen Beträgen.

Mehr Infos gibt es hier: www.visiticeland.vom

 

Lesetipp: Ob vor oder während der Reise, um sich auf Snaefellsnes einzustellen, empfehle ich mein Buch „Drei Wünsche im Wind“. Hier geht es zur Beschreibung.

Und noch ein Büchertipp:

Geisterfjord von Yrsa Sigurðardóttir